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Zwischen Träumen und Wachen

Einblicke in das geteilte Deutschland

Europäische Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte Weimar (EJBW)
Aktuelle Förderrunde

„Zwischen Träumen und Wachen“ ist ein partizipatives Theaterprojekt, das Jugendlichen einen kreativen Zugang zur DDR-Geschichte eröffnet. Grundlage sind reale Biografien teilnehmender Zeitzeug*innen, die von den Schüler*innen recherchiert und für das Stück künstlerisch verdichtet und dramatisiert werden. Im symbolischen „Wartesaal der Geschichte“ begegnen sich sechs Figuren, deren Lebenswege Alltag und Politik im SED-Staat verbinden. Ein Schauspieler verkörpert alle Figuren und interagiert multimedial mit Videoeinspielungen. Durch aktive Mitgestaltung, Recherche und Publikumsbeteiligung reflektieren Jugendliche Parallelen zur Gegenwart und setzen sich mit Freiheit, Verantwortung und demokratischen Werten auseinander.

Zu Beginn erhalten die Schüler*innen einen sorgfältig kuratierten Materialkoffer, der Originalquellen wie Zeitzeug*inneninterviews, Stasi-Unterlagen, DDR-Presseartikel, Filmmaterial sowie persönliche Dokumente der beteiligten Zeitzeug*innen enthält. In Kleingruppen analysieren die Jugendlichen dieses Material, entwickeln Figuren und narrative Fragmente und setzen sich mit zentralen Fragen auseinander: Welche Träume hatten Jugendliche in der DDR? Wie beeinflusste das politische System ihren Alltag? Welche Einschränkungen erlebten sie – und wo fanden sie Freiräume?

Diese Erkenntnisse fließen in die Dramatisierung ein. Die Jugendlichen verfassen Szenen, entwerfen Konflikte und gestalten den dramaturgischen Aufbau mit. Herzstück der Inszenierung ist der symbolische „Wartesaal der Geschichte“, ein zeitloser Ort, an dem sechs aus realen Biografien entwickelte Figuren aufeinandertreffen. Ein professioneller Schauspieler verkörpert alle Rollen, während Videoprojektionen zusätzliche Figuren, historische Kontexte und filmisch inszenierte Elemente einbinden.

Das Projekt legt großen Wert auf Gegenwartsbezüge. Die Jugendlichen reflektieren die Bedeutung persönlicher Freiheit, individueller Rechte und politischer Verantwortung und vergleichen damalige Lebenswelten mit ihren eigenen Erfahrungen heute. Durch die aktive Mitgestaltung erwerben sie historische Kompetenzen ebenso wie Kreativität, Teamfähigkeit und Urteilsvermögen.

Nach der Premiere an der Staatlichen Gemeinschaftsschule Kaleidoskop Jena wird das Stück bundesweit an weiteren Schulen gezeigt. Begleitmaterialien, kurze thematische Einführungen sowie Nachgespräche mit dem Schauspieler vertiefen das Verständnis. Das Projekt schafft damit ein nachhaltiges, multimediales Modell für eine zeitgemäße, partizipative Geschichtsvermittlung.

Wir machen Vergangenheit erlebbar, indem wir echte Biografien auf die Bühne holen – und Jugendlichen den Raum geben, die Geschichte neu zu erzählen. Unser Ziel ist es, junge Menschen nicht nur über die DDR zu informieren, sondern sie erleben zu lassen, was Freiheit, Mut und Verantwortung bedeuten.

Europäische Jugendbildungs- und Jugendbegegnungsstätte Weimar (EJBW)
© Bundesstiftung Aufarbeitung, Günter Bersch, Bersch-038-A070-2017