Wir Anderen
Gesellschaftliche Vielfalt in der SED-Diktatur
Das Projekt „Wir Anderen. Gesellschaftliche Vielfalt in der SED-Diktatur“ soll dazu beitragen, ein differenziertes Bild der Lebensverhältnisse unter der SED-Diktatur zu vermitteln, indem die Erfahrungen marginalisierter Bevölkerungsgruppen erschlossen und vermittelt werden. Das Projekt schließt dabei an die Lebenswelt und die Interessen junger Menschen an, indem es Fragen zentral stellt, die in der Erinnerungskultur noch zu oft unbeantwortet bleiben: etwa nach den spezifischen Erfahrungen homosexueller Menschen in den Haftanstalten der DDR, nach den Repressionserfahrungen von Migrant:innen oder nach den Möglichkeiten und Grenzen jüdischen Lebens in der SED-Diktatur.
Das Projekt verfolgt einen mehrstufigen Ansatz, der die Zielgruppe fortlaufend erweitert. In der ersten Projektphase werden junge Erwachsene als Multiplikator:innen ausgebildet. Sie eignen sich im Rahmen ihrer Ausbildung Wissen zur Geschichte der SED-Diktatur und zur Geschichtsvermittlung an, insbesondere zu Methoden der Oral History und der Befragung von Zeitzeug:innen. Ferner setzen sie sich mit der wissenschaftlichen Literatur zu marginalisierten Gruppen in der DDR auseinander, nehmen Kontakt zu Zeitzeug:innen auf, die als Angehörige marginalisierter Gruppen über ihre Erfahrungen in der SED-Diktatur zu sprechen bereit sind und erforschen deren Biografien sowie die Lebensläufe weiterer Personen.
In der zweiten Projektphase geben die Multiplikator:innen im Rahmen von Tagesworkshops und Projektwochen ihre gewonnenen Kenntnisse an Jugendliche und Heranwachsende weiter. Im Zentrum dieser Bildungsveranstaltungen stehen Gespräche mit Zeitzeug:innen, die innerhalb der Projektwochen auch gefilmt werden sollen.
In der dritten Projektphase werden die Projektergebnisse einer größeren (Fach)Öffentlichkeit präsentiert. Die gewonnenen Erfahrungen in der Vermittlungsarbeit werden im Rahmen einer Abschlusstagung Fachkolleg:innen vorgestellt, die im Rahmen der Projektwochen entstandenen Videos werden für die Besucher:innen der Gedenkstätte Lindenstraße in der Ausstellung präsentiert. Durch die gezielte Ansprache dieser unterschiedlichen Zielgruppen beabsichtigt die Stiftung Gedenkstätte Lindenstraße, Impulse zu einer vielfältigeren Wahrnehmung unterschiedlicher Lebensverhältnisse in der SED-Diktatur zu setzen und bislang vernachlässigte Perspektiven sichtbarer zu machen.
Die Fragen, die junge Menschen an die Geschichte stellen, ändern sich fortlaufend. Um die Erinnerung an das Unrecht der SED-Diktatur lebendig zu halten, müssen sich Gedenkstätten neue Methoden und Inhalte erschließen. Das Projekt „Wir Anderen. Gesellschaftliche Vielfalt in der SED-Diktatur“ gibt uns die Möglichkeit, dies in einem partizipativen Prozess gemeinsam mit Jugendlichen und jungen Erwachsenen zu erreichen.
