Was vom Yellow Cake übrig blieb
Bergbau-Transformation-Gesellschaft in Ost & West
Was strahlt meine Region aus? Und welche Altlasten trägt sie mit sich herum?
Mit einer Austauschsfahrt zwischen NRW und Ostthüringen und einer künstlerisch-forschenden AG nähern sich junge Erwachsene den gesellschaftlichen Folgen des DDR-Uranabbaus sowie unterschiedlichen Bewertungen von Wiedervereinigungs- und Transformationsprozessen in (post-)industriellen Regionen. Wo einst „Erz für den Frieden“ aufbereitet wurde klafft jetzt eine große Lücke: Welche Energieutopien, gesellschaftliche Forderungen und Alltagskonflikte trägt eine Generation mit sich herum, die unter „Produktionsprozessen“ etwas ganz anderes verstehen, als ihre Eltern und Großeltern? Die Ergebnisse dieser Auseinandersetzung münden in einer Pop-Up-Kunstausstellung und einer Webdokumentation.
Hintergrund
In Gera und der Region Ostthüringen, zu DDR-Zeiten die Bezirksstadt Gera, war das Geheimunternehmen der SDAG Wismut ein prägender Wirtschaftsfaktor zwischen 1950 und 1990, auch wenn die sowjetisch-deutsche Kooperation nur aus dem politischen Blockkonflikt heraus als „lukrativ“ zu bezeichnen war. Hohe Löhne, hohe Repräsentanz, ein Gefühl von Selbstwirksamkeit, Wohlstand und Relevanz – fast bis zur Wende! Weltmarktpreise konnte die Wismut zur Wiedervereinigung nicht halten, der Rückbau der Produktion und die Privatisierung bildete den weiteren Rahmen. Doch vor allem die kulturelle Dimension des nuklearen Erbes begegnet uns in der postindustriellen Gesellschaft an jeder Ecke: Was haben politische Einstellungen und Meinungsbildungsprozesse mit dem damaligen Propagandanetzes des Kalten Kriegs zu tun? Welche ästhetischen und sozialen Lücken brachte das großangelegte Sanierungsprogramm der Wismut GmbH mit sich und welche Erzählungen auf biografischer, regionaler und internationaler Ebene waren diskursangebend?
Fokus
Das Brennglas, welches die Wismut stets bildete, ist auch heute aktuell für eine Menge gesellschaftliche Konflikte: Polykrise, politischer Rechtsruck, gesellschaftliche Verhärtung, Strukturschwäche in der Peripherie und vor allem das Gefühl von fehlender gesellschaftlicher Integration in kritischer Auseinandersetzung mit der Nostalgie für den „strahlenden Alltag“, der in Gera in den letzten Jahrzehnten oft blasser wurde. „Was vom Yellow Cake übrig blieb“ versperrt sich oft hinter nie geführten Gesprächen, renaturierten Landschaften, demontierter Infrastruktur und kognitiven Dissonanzen – es braucht also eine interdisziplinäre Herangehensweise!
Vision
Strahlung und Energie – zwei Dinge, die sich sinnlich und wahrnehmend eher schwerlich fassen lassen. Was sich abstößt und anzieht, was sich verbindet und trennt, was sich antreibt und was sich schädigt lässt sich nicht nur mit diskursiven Mitteln herausfinden – und hier kommt die Kunst ins Spiel! Wir wollen eine Kunst-AG und das Ziel ist eine Ausstellung an einem Ort, der nie als solcher gedacht war. Wir wollen mit kreativen Mitteln und vielleicht sogar etwas knarzigen Darstellungsweisen die lange Linien sichtbar machen. Künstlerisch Forschen heißt sozialwissenschaftlich recherchieren, naturwissenschaftlich betrachten, aber auch: Die Wahrnehmung schulen, das Material kennenlernen, den Raum neu erobern, Utopien erspinnen, Lichter aufgehen lassen und Lücken füllen.
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