(un)erhört
Stimmen in der DDR - eine künstlerisch forschende Erinnerungsreise mit Schüler*innen und Zeitzeug*innen im Prenzlauer Berg
In diesem Projekt erforscht das Theater o.N. über einen Zeitraum von 2 Jahren mit insgesamt 60 Schüler*innen zwischen 11 - 16 Jahren im DDR-Kontext relevante Orte östlich der Prenzlauer Allee. In einer forschend partizipativen Erschließung mit dem Ziel der Sichtbarmachung und Würdigung (un)erhörter Stimmen, nähern sich die Jugendlichen folgenden Orten an: dem Haus 3 auf dem Fröbelgelände, dessen Keller u.a. vom MfS als Gefängnis genutzt wurde, dem EWA-Frauenzentrum, das aus der Gründung des Unabhängigen Frauenverbandes am 03.12.1989 hervorging, dem ehemaligen Gasometer im Ernst-Thälmann-Park sowie dem Ernst-Thälmann-Denkmal. Für das Vorhaben kooperiert das Theater mit einer Grund- und einer Sekundarschule.
Pro Spielzeit bzw. Schuljahr bildet das Theater an je einer Schule eine Forschungsgruppe – ein künstlerisches Kollektiv mit ca. 15 Schüler*innen. Über zwei Jahre hinweg entstehen insgesamt 4 Kollektive. Jedes Kollektiv wird einen von vier ausgewählten, für die DDR-Geschichte bedeutsamen Ort östlich der Prenzlauer Allee erkunden und Zeitzeug*innen kennenlernen, deren Biografien und Schicksale unlösbar mit dem jeweiligen Ort verbunden sind und von diesem geprägt wurden.
Über die persönlichen Geschichten wird die Geschichte für die Jugendlichen in ihrer Komplexität greifbar, die Auswirkungen politischer Entscheidungen und Systeme auf das Leben von Menschen und Familien erlebbar.
Mithilfe von Methoden der künstlerisch forschenden Theaterarbeit tauchen die Schüler*innen tief in die Vergangenheit ein. Indem sie die Erschließung des Ortes mitgestalten, indem sie selbst entscheiden, welchen Spuren und Biografien sie folgen, entwickeln sie eine intrinsische Motivation tiefer zu schürfen und die Perspektiven der Zeitzeug*innen und betroffenen Menschen zu verstehen.
In einer zweiten Projektphase transformieren sie ihre Forschungsergebnisse unter Anleitung der beteiligten Künstler*innen und Theaterpädagog*innen in ein künstlerisches Produkt und steigen so in einen Prozess der Reflexion, Auswahl und Einordnung der gewonnenen Informationen ein. Aus den Informationen können so Erkenntnisse werden, für die das Kollektiv gemeinsam eine Form findet. Die Jugendlichen könnten die Geschichte(n) im wörtlichen Sinne verkörpern, indem sie beispielsweise auf der Bühne Pate stehen für eine*n der Zeitzeug*innen oder Lebensgeschichten. Sie könnten ein Stück schreiben, einen Podcast produzieren, eine interaktive Ausstellung kreieren. Der Fantasie sind hier keine Grenzen gesetzt. Die Künstler*innen gehen auf die Interessen und Neigungen der Jugendlichen ein und moderieren den Prozess so, dass jede*r einen passenden Platz im Produktionsprozess findet.
Kurz vor den Sommerferien werden die Ergebnisse der Öffentlichkeit präsentiert. Geplant sind pro Kollektiv mindestens zwei Aufführungen oder Präsentationen, zum einen für die Eltern und Mitschüler*innen und zum anderen für das Theaterpublikum.
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