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Teach DEAF

Erfahrungen gehörloser und schwerhöriger Menschen im geteilten Deutschland. Erstellung barrierearmer Unterrichtsmaterialien für Gehörlosen- und Regelschulen

Professur für Neuere und Zeitgeschichte und Geschichtsdidaktik - Universität Erfurt
Aktuelle Förderrunde

Das Projekt zielt darauf ab, gehörlosen, schwerhörigen und hörenden Schülerinnen und Schülern der Klassenstufen 7 bis 12 - entsprechend den Lehrplänen für die Sekundarstufe 1 und 2 - die Auseinandersetzung mit der Geschichte gehörloser und schwerhöriger Menschen im geteilten Deutschland zu ermöglichen. Es sollen gemeinsam mit ihnen Unterrichtsmaterialien und didaktische Leitfäden auf der Basis von Interviews mit hörbeeinträchtigten Zeitzeug:innen zu ihren Erfahrungen im geteilten Deutschland erstellt werden.

Es sollen gemeinsam mit gehörlosen, schwerhörigen und hörenden Schüler:innen der Klassenstufen 7 bis 12 - entsprechend den Lehrplänen für die Sekundarstufe 1 und 2 - Unterrichtsmaterialien und didaktische Leitfäden auf der Basis von Interviews mit hörbeeinträchtigten Zeitzeug:innen zu ihren Erfahrungen im geteilten Deutschland erstellt werden.

Wir verfolgen drei Ziele:

1.) Jugendliche mit Hörbeeinträchtigung werden erstmals historisch fundiert über die Deaf History in die Geschichte von Diktaturerfahrung und deutscher Teilung seit 1945 eingeführt.

2.) Sie werden gehörlosen und schwerhörigen erwachsenen Rollenmodellen begegnen - sowohl Zeitzeug:innen als auch historisch und didaktisch qualifizierten Projektmitarbeitenden. Mit diesen können sie sich über die gemeinsame Erfahrung des Hörverlusts identifizieren, wodurch ihre Identitätsbildung unterstützt wird.

3.) Regelschüler:innen werden anhand des Beispiels von Menschen mit Hörbeeinträchtigungen für Inklusion und Teilhabe sensibilisiert. Darüber hinaus erweitern sie ihre Kenntnisse über die deutsche Teilung aus Sicht einer konkreten Minderheitsgruppe in der Bevölkerung.

Die Schüler:innen im Alter von 13 bis 18 Jahren werden aktiv über Projekttage in die Erstellung der Unterrichtsmaterialien involviert. Sie entscheiden mit, in welcher Form die Interviews aufbereitet werden, gestalten Materialien wie Videos und Zeichnungen selbst und bringen sich über Gespräche mit Zeitzeug:innen während schulischer Projekttage in das Projekt ein.

Es werden im besonderen Maße flexible und barrierearme Unterrichtsmaterialien benötigt, da es sich um eine sehr diverse Fokusgruppe handelt. Die Unterrichtmaterialien müssen in verschiedener Form für diverse Bedarfe aufbereitet werden, so dass Schüler:innen mit ganz unterschiedlichen Sprachniveaus und Wissensständen über die Geschichte gehörloser Menschen im geteilten Deutschland Wissen ansammeln können.

Das Projektteam setzt sich aus gehörlosen, schwerhörigen und hörenden Mitarbeitenden zusammen, die alle historisch gebildet sind, über didaktische Expertise und weitreichende Erfahrungen im Abbau kommunikativer Barrieren verfügen. Im Projekt sind wir auf Gebärdensprach- und Schriftdolmetschende sowie technische Assistenz angewiesen, damit innerhalb des Teams, an den Schulen und in Interviews barrierearm kommuniziert werden kann.

Die Erarbeitung historischen Wissens erfolgt über die Biographien erwachsener gehörloser und schwerhöriger Menschen. Somit steht einerseits die Aufarbeitung der Erfahrungen von SED-Diktatur und deutscher Teilung aus Sicht einer bisher in der historischen Forschung wenig beachteten Minderheitsgruppe innerhalb der Bevölkerung im Fokus. Andererseits bekommen auf diese Weise hörbeeinträchtigte Schülerinnen und Schüler Rollenmodelle, mit denen sie sich über die Erfahrung der Hörschädigung innerhalb einer auf Hören ausgerichteten Welt identifizieren können. Es wird damit erreicht, dass die jungen Menschen in ihrer Identitätsbildung als gehörlose und schwerhörige Menschen gestärkt werden. Hörende Jugendliche werden für Inklusion und Barriereabbau sensibilisiert. Regelschülerinnen und -schüler, die gemeinsam mit Jugendlichen mit Hörschädigung an integrativen Gesamtschulen beschult werden, können im Rahmen dieses Projekts über die Eindrücke gehörloser und schwerhöriger Zeitzeuginnen und Zeitzeugen die Geschichte der deutschen Teilung aus einer spezifischen, für sie abstrakten Perspektive erfahren. Sie werden für eine diverse Gesellschaft sensibilisiert. Das Projekt wird durchgehend barrierearm geplant.

Universität Erfurt
© Bundesstiftung Aufarbeitung, Günter Bersch, Bersch-038-A070-2017