Sachsen

Opposition und Repression

Geschichte vor Ort

Satt – sauber – trocken?

Alltags- und Diskriminierungserfahrungen im Leben von Menschen mit Beeinträchtigungen in Ostsachsen in der DDR

Stiftung Internationales Begegnungszentrum St. Marienthal (IBZ)
Aktuelle Förderrunde

Das inklusive Modellprojekt „Satt – sauber – trocken?“ des IBZ St. Marienthal vermittelt Schüler/-innen und Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen Wissen über Diskriminierungs- und Alltagserfahrungen von Menschen mit Behinderungen in der DDR. Ziel ist es, historische Diktaturmechanismen zu reflektieren und Bezüge zur heutigen Demokratie zu schaffen. In Workshops, Radiosendungen und deutsch-polnischen Austauschformaten werden Teilhabe, Barrierefreiheit und Begegnung gefördert. Das Projekt stärkt demokratische Werte, bezieht Betroffene als Peers aktiv ein und trägt zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention sowie zur Entwicklung inklusiver politischer Bildung bei.

Das Vorhaben „Satt – sauber – trocken?“ des IBZ St. Marienthal widmet sich der historisch-politischen Bildung über das Leben von Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen in der DDR. Ziel ist es, Schüler/-innen und junge Erwachsene für diktaturimmanente Ausgrenzungs- und Unterdrückungsmechanismen zu sensibilisieren und demokratische Werte zu fördern. Dabei wird ein inklusiver Ansatz verfolgt: Menschen mit kognitiven Beeinträchtigungen wirken als Zeitzeug/-innen und Peers aktiv an der Projektgestaltung mit.

In Workshops, Exkursionen und künstlerisch-medienpädagogischen Formaten – etwa Radiosendungen unter dem Titel „Nur mit uns – Zwischentöne aus dem Alltag“ – begegnen sich Jugendliche und Menschen mit Beeinträchtigungen, reflektieren Diskriminierungserfahrungen und ziehen Bezüge zur Gegenwart. Das Projekt stärkt somit sowohl Teilhabe als auch gesellschaftliche Inklusion und trägt zur Umsetzung der UN-Behindertenrechtskonvention bei.
Das Projekt wird in Ostsachsen (Landkreise Bautzen und Görlitz) umgesetzt, mit Partnern aus Schulen, Einrichtungen der Behindertenhilfe, Kultur- und Bildungseinrichtungen sowie Medienpartnern wie dem Bürgerradio Zett. Eine deutsch-polnische Workshopreihe erweitert die Perspektive um Erfahrungen aus der VR Polen.

Zwischen 2025 und 2027 werden sieben Maßnahmen realisiert, darunter inklusive Workshops, Peer-Qualifizierungen, Radiosendungen, eine Transferkonferenz und die Veröffentlichung einer Broschüre in leichter Sprache. Die Ergebnisse werden durch ein Steuerungsgremium begleitet, kontinuierlich evaluiert und über Kooperationen bundesweit transferiert.

Mit seiner inklusiven, partizipativen Methodik leistet das Projekt einen Beitrag zur demokratischen Bildung, zur Erinnerungskultur und zur Stärkung zivilgesellschaftlicher Teilhabe von Menschen mit Beeinträchtigungen.
 

© Stiftung Internationales Begegnungszentrum St. Marienthal (IBZ)

Mit dem Projekt „Satt – Sauber – Trocken“ widmet sich die Stiftung IBZ St. Marienthal dem Leben von Menschen mit Behinderungen in Wohneinrichtungen zu DDR-Zeiten. Eine solche Auseinandersetzung ist wichtig, um Entwicklungen mit Blick auf historische Zusammenhänge zu verstehen. Wie waren Teilhabe und Selbstbestimmung verwirklicht? Hatte der Grundsatz „Nichts über uns ohne uns“ im politischen System der DDR irgendeine Bedeutung? Was können wir aus den Erfahrungen der interviewten Menschen lernen? Was leiten wir daraus für unsere demokratische Gesellschaft ab? Das Projekt vereint Erinnerungskultur und politische Bildung auf hervorragende Weise und wird helfen, unsere Gesellschaft wieder ein Stück weit inklusiver zu machen.

Michael Welsch, Landesbeauftragter für Inklusion der Menschen mit Behinderungen