Thüringen

Migration und Diversität

Geschichte vor Ort

Kollektive Fuge - Vergessene Orte in Thüringen

Ein Bildungs- und Netzwerkprojekt

Künstler für Andere e.V., Thüringer Archiv für Zeitgeschichte "Matthias Domaschk"
Aktuelle Förderrunde

Das Bildungs- und Netzwerkprojekt "Kollektive Fuge" macht "vergessene Orte" mit DDR-Vergangenheit in Thüringen sichtbar und entwickelt aus den Geschichten vor Ort außerschulische Bildungsformate für junge Menschen. Gleichzeitig werden diese Orte und Geschichten von Widerstand und Widerstehen, von Eigensinn, Ambivalenz und Resilienz, von Kreativität, Opposition und Zivilcourage, von Repression, Erziehung und staatlicher Gewalterfahrung miteinander verknüpft und erfahrbar gemacht. Noch sind die Orte vergessen, noch sind ihre Geschichten nicht vor Ort erzählt, noch ist eine Lücke im lokalen Gedächtnis vorhanden, noch haben sich junge Menschen nicht mit dem Ort auseinandergesetzt. Durch das Projekt werden aber die „vergessenen Orte“ wieder sichtbar gemacht und die Lücke – gleichsam die Fuge im kollektiven Gedächtnis – in der Erinnerung mit Wissen verfüllt.  


Das Projekt recherchiert und entwickelt zunächst zwei „vergessene Orte“, die bislang nicht oder kaum in der Erinnerung und Auseinandersetzung mit der DDR-Vergangenheit in Thüringen vorkommen. Ein Ort wird sich mit der Geschichte der Verwahrung von behinderten Kindern und Jugendlichen auseinandersetzen. Der zweite Ort widmet sich der Geschichte der gesellschaftlichen Ausgrenzung von Migranten in der DDR. Sind die Orte lokalisiert, werden die einzelnen Geschichten dieser zwei „vergessenen Orte“ erschlossen und zu einem Wissensfundus zusammengestellt.

Ziel dieser ersten Arbeitsphase ist es, zwei „vergessene Orte“ so weit entwickelt und erforscht zu haben, so viel Wissen um den Ort und um die Akteure damals (und heute) zusammengetragen zu haben, dass dann im nächsten Schritt historisch-politische Bildungsarbeit in außerschulischen Bildungsformaten zum Ort entwickelt und angeboten werden können. Damit eng einhergehend ist die Vernetzung mit lokalen und regionalen Kooperationspartnern, mit denen auch die Markierung der zwei „vergessenen Orte“ mit Informationstafeln am Ort durchgeführt werden wird.

Mittelpunkt des Projektes ist die historisch-politische Bildungsarbeit vor Ort zum „vergessenen Ort“. Entsprechend der Methode „Grabe, wo du stehst“ werden junge Menschen die ausgewählten Orte und ihre Geschichte in der DDR forschend entdecken. Indem die jungen Menschen auch die Nicht-Wahrnehmung dieser Orte seit 1990 im Blick haben, gehen sie auch der Geschichte des Ortes in der Transformationszeit und im Heute nach.

Daher knüpft das Projekt an die bereits existierende Arbeit der lokalen und regionalen Bildungs- und Forschungsprojekte und -initiativen zur DDR-Aufarbeitung in Thüringen an. Es arbeitet intensiv mit diesen Projekten zusammen und stimmt sich eng mit ihnen zu den Bildungsprojekten an den „vergessenen Orten“ ab. Mit dem Projekt „Vor Ort zum DENKOrt – Thüringer Orte der Repression, Opposition und Zivilcourage in der DDR“ ist seit nunmehr fünf Jahren ein Netzwerk im Aufbau, das verlassene oder umgenutzte Orte im ländlichen Raum Thüringens identifiziert und öffentlich markiert. Die Erfahrungen dieses Netzwerkes gilt es zu nutzen, wenn an den zwei neu zu identifizierenden Orten zum Umgang mit den in der DDR marginalisierten Gruppen behinderte Kinder und Jugendliche und Migranten exemplarisch historisch-politische Arbeit entwickelt wird. Zudem sollen die zu diesen zwei „vergessenen Orten“ entwickelten Bildungsformate auf das Netzwerk DENKOrte übertragen und an den bereits markierten DENKOrten (Kinderheim Veste Heldburg, Durchgangsheim Schmiedefeld, Friedensgruppe Langenschade, Rüstzeitheim Braunsdorf) entsprechend umgesetzt werden. Eine enge Zusammenarbeit der Projekte DENKOrte und Kollektive Fuge ist hierfür zwingend notwendig.

Um die „vergessenen Orte“ und ihre Verknüpfung untereinander überregional bekannt zu machen, soll in einer dritten Projekt-Ebene ein mehrteiliger Podcast zu den „vergessenen Orten“ produziert werden. Der Podcast trägt die Idee des Projektes massiv in die Öffentlichkeit, macht die Orte dadurch bekannt(er) und setzt sie in Beziehung zueinander. Ziel ist es vor allem auch die Schulen in den Regionen für diese Form der außerschulische Bildungsarbeit zu erreichen – bisher ist das in Bildungsprojekten im ländlichen Raum aus diversen Gründen nur mit wenig Erfolg gelungen. Eine mehrteilige Podcast-Serie zu den „vergessenen Orten“ trägt daher zur überregionalen Verbreitung des Projektes bei. Das Projekt wirkt so in den öffentlichen Raum und in die Region hinein. Die „vergessenen Orte“ können so zu Orten der Erinnerung und zu Zentren der wissenschaftlichen und gesellschaftlichen Aufarbeitung der jüngeren Vergangenheit im ländlichen Raum Thüringens werden. 

Noch unerzählt - doch nicht vergessen. Geschichte sichtbar machen.

Künstler für Andere e.V., Thüringer Archiv für Zeitgeschichte "Matthias Domaschk"