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Jugendliche in der DDR zwischen politischer Haft und Flucht

Das DDR-Jugendgefängnis in Torgau und das Notaufnahmelager für geflüchtete Jugendliche in Sandbostel (Niedersachsen)

Erinnerungsort Torgau/Stiftung Sächsische Gedenkstätten
Aktuelle Förderrunde

Das bundeslandübergreifende Kooperationsprojekt bringt Jugendliche aus Ost- und Westdeutschland in Workshops zusammen, um sich mit der Geschichte von nichtkonformen und verfolgten Jugendlichen in der DDR auseinanderzusetzen. Im Mittelpunkt stehen dabei junge Menschen, die in der DDR aus politischen Gründen im Jugendgefängnis in Torgau inhaftiert wurden. Gleichzeitig geht es um die vielen Jugendlichen, die ohne ihre Eltern aus der DDR flüchteten, um ein selbstbestimmtes Leben führen zu können. Sie fanden eine erste Bleibe im Notaufnahmelager Sandbostel in Niedersachsen. Zentrales Ergebnis des Projekts ist eine Wanderausstellung über das DDR-Jugendgefängnis Torgau.

Anhand der Geschichte des DDR-Jugendgefängnisses in Torgau und des zentralen Notaufnahmelagers für geflüchtete Jugendliche aus der DDR in Sandbostel befassen sie sich gemeinsam mit den Folgen der Teilung Deutschlands für das Leben junger Menschen in der DDR und mit den Repressionen des SED-Regimes gegen politisch andersdenkende Jugendliche.

Im Mittelpunkt stehen die Biografien von Jugendlichen in der DDR, die aus politischen Gründen in Torgau inhaftiert wurden und/oder die sich zur Flucht aus der DDR entschlossen. Die Teilnehmenden lernen die politische Haft in Torgau als Instrument der Repression kennen. Sie erfahren gleichzeitig, aus welchen Gründen sich Jugendliche zur Flucht aus der DDR entschlossen.

In den 1950er-Jahren fanden mehrere Hunderttausend aus der DDR geflüchtete Jugendliche die erste Aufnahme im zentralen Notaufnahmelager Sandbostel in Niedersachsen, wenn sie ohne ihre Eltern geflohen waren. Die Teilnehmenden gehen der Frage nach, wie die Aufnahme der Jugendlichen in der bundesrepublikanischen Gesellschaft verlief und welche Erfahrungen von Integration und/oder Ablehnung damit verbunden waren.

Gespräche mit Zeitzeuginnen und Zeitzeugen sind integraler Bestandteil der Austausch-Workshops, so dass die Teilnehmenden die Perspektive der Betroffenen im direkten Gespräch nachvollziehen können.

Das Projekt will die teilnehmenden Jugendlichen dazu anregen, über ihre eigenen Haltungen zu Freiheit und Selbstbestimmung zu reflektieren und sich mit den Werten der Demokratie und der Rechtsstaatlichkeit auseinanderzusetzen. Sie treten in einen aktiven Austausch über ihr Bild der SED-Diktatur und bringen dabei ihre Erfahrungen und Positionen ein, die von ihrem Leben in Ost- bzw. Westdeutschland, durch ihre Familien und/oder durch ihren Migrationshintergrund geprägt sind.
 

Man muss sagen, von allen Gefängnissen, in denen ich bis dahin und auch später noch war, war Torgau das schlimmste. Gewalt sowohl zwischen den Gefangenen und auch zwischen Wärtern und Gefangenen war dort wirklich an der Tagesordnung.

Norbert Sachse über seine Haft im Jugendgefängnis in Torgau, Interview 2022 (Archiv Stiftung Sächsische Gedenkstätten/Erinnerungsort Torgau)
© Bundesstiftung Aufarbeitung, Günter Bersch, Bersch-038-A070-2017